Natascha Brucker, Coachin

Foto: Lovis Trummer
Foto: Lovis Trummer

Liebe Natascha, du hast mal gesagt: „Jeder verdient jemanden, der an ihn glaubt und ihn unterstützt.“ Wer ist das für dich?

Bei meinen engsten Freunden weiß ich, dass sie immer unterstützen, was ich so mache. Weil ich mache immer wieder andere Sachen (lacht). Auch meine Eltern glauben an mich und sagen jedes Mal: „Du wirst es schon machen.“ Selbst in Situationen, in denen ich selber noch nicht genau wusste, wie das finanziell klappen wird, bestärkten sie mich und sagten: „Du kriegst das schon hin.“

An wen ich auch gedacht habe, ist mein Tribe. Da weiß ich einfach, dass wir voller Support füreinander sind. Das ist irgendwie schön gerade darüber nachzudenken, denn ich habe das Gefühl, da stehen schon einige Leute hinter mir.

 

Wer oder was ist dein „Tribe“?

Mein Tribe sind 5 andere Frauen. Ich habe ein Kollektiv gegründet, bei dem jeder Tribe immer aus sechs Personen besteht. Die erste Sechsergruppe habe ich vor neun oder zehn Monaten ins Leben gerufen. Dafür habe ich einfach fünf anderen Frauen gefragt, ob sie Lust hätten mitzumachen. Diese Tribes vereine ich unter dem Namen COLLECTIVE6.

 

Ich hatte ein Konzeptpapier geschrieben und fünf Werte definiert. Ich bin dann intuitiv in mich gegangen, habe überlegt, wer da passen könnte und das Konzeptpapier an fünf Frauen geschickt. Die haben alle sofort „Ja!“ gesagt. Das fand ich schön, weil ich dadurch nochmal gespürt hab, dass eine Sehnsucht nach diesen Räumen, diesen Werten und einfach einem Tribe besteht. 

Was waren das für Werte?

Es ist zuerst einmal „in your own grace“. Das bedeutet, du darfst in deiner Einzigartigkeit da sein und dich entfalten. Und dabei ist egal, ob deine Vision groß oder klein ist. Es muss einfach nur für dich richtig sein. Die Welt könnte noch deutlich bunter aussehen, wenn wir das ganz leben würden.

 

Der zweite Wert ist „in your own pace“, das ist für mich der zentrale Wert. Wir haben in der Gesellschaft bestimmte Rhythmen und eine schnelle Geschwindigkeit. Das ist mir voll das Anliegen, dass wir diese Räume schaffen, wo auch mal gewartet wird, wo auch mal  ausgehalten wird , dass man nicht immer sofort weitergehen muss. Daraus können total viele schöne Sachen entstehen, die wirklich aus einem herauskommen. Hier kann jede ihre eigene Geschwindigkeit gehen und in sich reinhören.

Der Dritte ist „support to go for it“. Manchmal spüren wir, wir wollen wohin aber trauen uns noch nicht. Und da sind dann Leute, die dich empowern und dabei sind. Da passt auch der vierte Wert. Der ist „we have your back“ im Sinne von: Wenn es nicht klappt, dann sind wir trotzdem da. Und auch, wenn du denkst, du solltest es tun, aber du traust dich mal nicht, dann ist das auch okay.

 

Wir müssen nicht immer „Mut, Mut, Mut“, es ist auch in Ordnung nicht mutig zu sein.

Der Fünfte Wert ist „we are here to let you shine“. Manchmal haben wir Angst vor unserer eigenen Größe. Zum Beispiel, dass, wenn wir erfolgreich werden, die Freundinnen neidisch sind oder wir nicht mehr relaten können oder was auch immer. Diesen Wert ganz konkret zu haben und zu sagen: „Wenn jemand erfolgreich ist, dann freuen wir uns alle mit“, ist voll schön.

 

Wie bleibst du mit deinem Tribe in Verbindung?

 

Wir treffen uns alle zwei Wochen für zwei Stunden über Zoom. Wir sind alle in Deutschland verteilt und stehen dennoch voll hintereinander. Jede schaut, wo es gerade bei den anderen langgeht und wo sie Unterstützung brauchen. 

Foto: Lovis Trummer
Foto: Lovis Trummer

Was passiert in den zwei Stunden?

In die ersten beiden Sessions führe ich ein, sodass sie sich kennenlernen können. Dann machen sie gemeinsam noch eine Ausrichtung, was sie mit dem Kollektiv machen wollen. Das kann sein: „Ich will einfach nur entspannt mit Leuten reden“ oder: „Ich wünsche mir in einem Projekt Unterstützung“. Ich lasse es mit Absicht offen und nicht so programmüberhäuft. Es geht wirklich um die Begegnung zwischen den Leuten und dass man die anderen in ihrem Wachstum begleitet, beobachtet und aktiv dabei ist.

Dann ist es oft so, dass wir entweder eine kleine Übung machen oder die Schwarmintelligenz nutzen: Eine sagt, sie hat ein Problem und dann geben wir Tipps. Dann ist es meistens schon zu Ende Es ist wirklich sehr simpel, aber wertvoll.

 

Deine Wertschätzungssessions machst du auch online. Wie kamst du dazu, die zu veranstalten?

 

Ich habe das mit vier Freundinnen mal ausprobiert. Das fand ich auch voll schön, habe dann aber ein halbes Jahr nicht darüber nachgedacht das anzubieten. Vor Weihnachten kam es mir wieder in den Kopf und der Gedanke hat mich nicht losgelassen. Ich hatte ehrlich gesagt gar nicht so Lust etwas anzubieten, habe aber gespürt: „Das hast du jetzt gerade zu tun.“ Es wurde so gut angenommen, dass ich jetzt schon über 20 Sessions geleitet habe und auch immer wieder Leute kommen. 

Wie können wir uns diese Sessions vorstellen?

Ich habe immer mal überlegt, ob ich erklären sollte, wie sie ablaufen. Jedoch habe ich mich bisher bewusst dagegen entschieden. So bleibt es für jeden eine unvoreingenommene, ehrliche und schöne Erfahrung.

 

Was sollen die Menschen aus den Sessions mitnehmen?

Mein Ziel ist, dass wir Menschen erleben, welches Potenzial an schönem Miteinander eigentlich da ist. Dieses Potenzial spürst du in jeder Session. Die Leute sind fähig das zu leben und gehen total beseelt daraus. Sie haben Erkenntnisse und sagen immer: „Das war jetzt eine ganz schöne Erfahrung für mich, ich werde mir das merken und mitnehmen.“ Es ist mir wichtig, dass wir immer wieder Räume und auch Situationen schaffen, wo wir erleben können, wie es sein könnte.

 

Was denkst du, woher kommt dein Wunsch das Potenzial in den Menschen zu unterstützen?

Ich glaube, ich habe schon eine Gabe Potenzial zu erkennen. Also, ich treffe Leute und sehe das einfach. Wenn ich dieses Potenzial sehe, dann freue ich mich und denke: „Wow, da steckt so viel in dieser Person und wie schön wäre das, wenn sie es leben könnte. Für sie und für ihr Umfeld.“

 

Es war auch für mich immer wieder ein Thema einen Raum zu finden, wo ich ganz wahrhaftig und ich selbst sein kann. Dadurch kann ich mein eigenes Potenzial entfalten.

 

 

Deswegen ist es für mich auch so wichtig, das anderen zu ermöglichen. 

 

Hast du für uns drei kleine Tipps, um mehr Freundlichkeit  unter uns nach Berlin zu bringen?

Klar, gern:

 

1. Schenke dem:der Lieblingsspätiverkäufer:in, Barista oder Kassierer:in ein Überraschungsei.

 

2.     Beobachte eine Person in der U-Bahn, die sehr anders scheint als du. Denke darüber nach, dass sie ein Mensch wie du mit Gefühlen, guten und schlechten Erfahrungen ist, die jeden Morgen aufwacht und wie alle anderen versucht das Leben zu meistern. Mach die Augen zu und wünsche ihr von Herzen alles Gute sowie einen Wunsch für ihren heutigen Tag.

 

 

3.     Verteile einen Witz in den Briefkästen deiner Nachbar:innen und fordere sie mit einer Notiz auf, wieder fünf Witze in Briefkästen zu hinterlassen, weil das Leben zu kurz ist, um uns nicht so oft es geht gegenseitig zum Lachen zu bringen.

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